Von Équipe JA Technology · Veröffentlicht am 1. Juli 2027 · 4 Min. Lesezeit

Sie wissen bereits, dass Sie nächstes Jahr eine Hüftoperation, eine Schwangerschaft oder eine kostspielige Behandlung erwartet. In dieser Lage ist eine hohe Franchise zur Prämienersparnis nicht mehr zwingend die richtige Strategie. Die obligatorische Grundversicherung (KVG) erlaubt es Ihnen, Ihre Franchise jährlich bis zum Stichtag Ende November anzupassen. Eine absehbare hohe Gesundheitsausgabe verändert die Abwägung zwischen Monatsprämie und Selbstanteil grundlegend. So gehen Sie vor.
Warum eine hohe Franchise nachteilig wird, wenn Sie wissen, dass Kosten anstehen
Das Prinzip einer hohen Franchise beruht auf einer Wette: Sie nehmen im Krankheitsfall höhere Eigenkosten in Kauf und erhalten dafür eine tiefere Monatsprämie. Solange Sie gesund bleiben, geht diese Wette auf, und die Prämienersparnis kann einen erheblichen Teil Ihres jährlichen Gesundheitsbudgets ausmachen. Sobald jedoch eine grosse Ausgabe geplant ist, kehrt sich die Logik vollständig um.
Wenn Sie wissen, dass nächstes Jahr eine teure Behandlung ansteht, werden Sie Ihre Franchise ohnehin überschreiten. In diesem Fall ist jeder zusätzliche Franken gewählter Franchise ein Franken, den Sie vollständig selbst tragen. Die durch eine hohe Franchise erzielte Prämiensenkung gleicht die Mehrkosten dann nicht mehr aus: Der Wechsel zur Minimalfranchise von 300 CHF wird sinnvoll.
Der gedeckelte Selbstbehalt: Ihr Sicherheitsnetz
Über die Franchise hinaus sieht das KVG einen Selbstbehalt von 10 % auf die restlichen Leistungen vor. Diese Beteiligung ist jedoch gesetzlich gedeckelt: Sie darf für Erwachsene 700 CHF pro Jahr und für Kinder 350 CHF pro Jahr nicht überschreiten. Dies ist ein zentrales Element Ihrer Abwägung, denn es setzt Ihrem Selbstanteil eine absolute Obergrenze.
Maximaler Selbstanteil bei grosser Behandlung Konkret übersteigt Ihre Gesamtbeteiligung mit der Minimalfranchise von 300 CHF in einem Jahr mit hohem Leistungsbezug nie die Summe aus dieser Franchise und der Selbstbehalt-Obergrenze. Ist diese Grenze erreicht, übernimmt die Grundversicherung die gedeckten Leistungen vollständig. Diesen Maximalbetrag zu kennen, erlaubt Ihnen einen ruhigen Vergleich der beiden Franchise-Szenarien.
Ihre Wechselschwelle in Prozent berechnen
Vergleichen Sie zur Entscheidung zwei Situationen für das betroffene Jahr. Einerseits die Minimalfranchise: Sie zahlen eine höhere Prämie, doch Ihr Selbstanteil an den Behandlungskosten ist begrenzt. Andererseits Ihre aktuelle, höhere Franchise: Sie profitieren von einer Prämiensenkung, tragen aber einen grösseren Anteil der Kosten, bevor die Versicherung einspringt.
Die Wechselschwelle entspricht dem Punkt, an dem die jährliche Prämienersparnis durch die hohe Franchise kleiner wird als die Franchise-Differenz, die Sie zahlen müssen. Sobald Sie Behandlungen erwarten, die diese Schwelle deutlich übersteigen, setzt sich die Minimalfranchise durch. In der Regel senkt eine hohe Franchise die Prämie je nach Kasse und Kanton um rund 10 bis 25 %, doch diese Ersparnis bleibt gedeckelt, während die zu tragende Franchise-Differenz bei einer aufwendigen Behandlung deutlich höher ausfallen kann.
Den Zeitplan einhalten: Kündigung und Franchisewechsel auf Januar
Der Franchisewechsel innerhalb Ihrer aktuellen Kasse ist flexibler als ein Kassenwechsel. Für eine Änderung per 1. Januar richten Sie Ihren Antrag auf Franchiseanpassung an Ihren Versicherer und halten die von ihm kommunizierten Fristen ein, üblicherweise vor Ende November oder Anfang Dezember je nach Kasse. Prüfen Sie die Bedingungen Ihres Versicherers genau.
Wollen Sie zusätzlich die Kasse für die Grundversicherung wechseln, beträgt die gesetzliche Kündigungsfrist einen Monat, mit Stichtag Ende Dezember für die Standardfranchise. Die Kündigung muss bis Ende November bei Ihrer aktuellen Kasse eintreffen. Versenden Sie sie frühzeitig: Massgebend ist das Eingangs-, nicht das Versanddatum. Ein eingeschriebener Brief liefert Ihnen im Streitfall einen Nachweis.
Fallstricke und Sonderfälle
Verwechseln Sie medizinische Planung nicht mit Gewissheit. Eine Behandlung kann verschoben, abgesagt oder günstiger als erwartet ausfallen: Wechseln Sie nur dann zur Minimalfranchise, wenn die Ausgabe wirklich wahrscheinlich und erheblich ist. Bedenken Sie auch, dass sich Ihre Bedürfnisse im Folgejahr umkehren können, in dem eine höhere Franchise nach Abschluss der Behandlung wieder vorteilhaft wird.
Mutterschaft und Kinder Bei einer geplanten Schwangerschaft sind die Mutterschaftsleistungen von Franchise und Selbstbehalt befreit, was die Abwägung verändert. Für ein Kind liegen die Franchisen zwischen 0 und 600 CHF und der Selbstbehalt ist auf 350 CHF pro Jahr begrenzt. Vergessen Sie schliesslich nicht, dass die Zusatzversicherung (VVG) eigenen Regeln folgt: Nur Ihr Wechsel in der obligatorischen Grundversicherung betrifft diese Franchise-Abwägung.
Häufige Fragen
Kann ich nur meine Franchise ändern, ohne die Kasse zu wechseln?
Ja. Die Franchiseanpassung erfolgt innerhalb Ihrer aktuellen Kasse und ist der einfachste Weg. Sie müssen weder Ihren Vertrag kündigen noch den Versicherer wechseln. Es genügt, einen Antrag auf Franchiseänderung an Ihre Kasse zu richten und die von ihr genannten Fristen einzuhalten, mit Wirkung per 1. Januar. Prüfen Sie stets die für Ihren Versicherer geltende Frist.
Kommt die Selbstbehalt-Obergrenze zur Franchise hinzu?
Ja. Ihr maximaler Selbstanteil pro Jahr setzt sich aus zwei Teilen zusammen: dem Betrag der gewählten Franchise und anschliessend dem Selbstbehalt von 10 % auf die restlichen Leistungen, gedeckelt auf 700 CHF pro Jahr für Erwachsene. Sind beide Beträge erreicht, deckt die Grundversicherung die anerkannten Leistungen vollständig. Diese gesetzliche Deckelung sichert Ihre Abwägung bei einer aufwendigen Behandlung ab.
Was geschieht, wenn meine Operation schliesslich auf das Folgejahr verschoben wird?
Ihre Minimalfranchise bleibt für das laufende Jahr gültig, und Sie haben eine höhere Prämie gezahlt, ohne den erhofften Nutzen zu erzielen. Das ist das Hauptrisiko dieser Strategie. Wird die Verschiebung gewiss, können Sie Ihre Franchise für das Folgejahr vor dem Stichtag Ende November wieder erhöhen, um Ihre Prämie zwischenzeitlich zu senken.